Daten aus der Entstehungszeit von „Zur russischen Revolution“ – Handzettel

1917

Mitte 1917: Die Listen zur Wahl der Konstituierenden Versammlung werden aufgestellt.

2. Halbjahr: Zunehmende Differenzierungen in den Parteien zwischen bedingungslosen UnterstützerInnen der Provisorischen Regierung und ihren Gegnern – vor allem in der Partei der Sozialisten-Revolutionäre und der Menschewiki. Gleichfalls zunehmende Unzufriedenheit in den Massen mit der Politik der Provisorischen Regierung, die vor einer Agrarreform, dem Friedensschluss und der Durchsetzung von Rechten der ArbeiterInnen zurückschreckt.

25.-30 August: Putschversuch des Generals Kornilov gegen die Provisorische Regierung. Er wird mit Hilfe der von den Sowjets organisierten Einheiten niedergeschlagen.

14. September: Das Zentrale Exekutivkomitee der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten und das Exekutivkomitee der Sowjets der Bauerndeputierten berufen die „Gesamtrussische demokratische Beratung“ ein, die die Positionen vor allem der Menschewiki und der Sozialisten-Revolutionäre in der Regierung stärken soll. Diese Körperschaft wiederum bildet ein „Vorparlament“. Eine eindeutige Position zur Machtfrage wird aber nicht formuliert. Zuvor hatte die Provisorische Regierung die Wahlen zur Konstituierenden Versammlung vom 17. September auf den 12. November verschoben.

September/Oktober 1917: Auseinandersetzungen unter den Bolschewiki um die Orientierung Lenins auf den bewaffneten Aufstand vor dem Beginn des nächsten Sowjetkongresses; Lenin setzt sich gegen die Gruppe um Kamenev und Sinovjev durch

24.-26. Oktober: Sturz der Provisorischen Regierung durch Truppen des Revolutionären Militärkommitees unter Führung der Bolschewiki

25.-27. Oktober: Der Sowjetkongress akzeptiert im Nachhinein den Sturz der Regierung mit großer Mehrheit und beschließt mehrere Dekrete, z.B.

  • Das Dekret über den Frieden
  • Das Dekret über den Boden,

sowie die Schaffung des Rates der Volkskommissare als Regierung der Sowjets

Ab 28. Oktober: Verbot rechter, monarchistischer und schließlich auch bürgerlicher Parteien und Organisationen

1. November: Die Ukrainische Zentralrada proklamiert die „Ukrainische Volksrepublik“

12. November: Wahlen zur Konstituierenden Versammlung

26. November bis 10. Dezember: Sowjetkongress, auf dem die rechten Sozialrevolutionäre ihren Rückzug aus diesem Gremium vollziehen und sich gegen die Bolschewiki positionieren

7. Dezember: Schaffung der Tscheka (Außerordentliche Kommission) als Inlands- und Auslandsgeheimdienst einschl. einer entsprechenden Sondergerichtsbarkeit

10. Dezember: Linke Sozialrevolutionäre treten in den Rat der Volkskommissare ein

18. Dezember: Dekret über die staatliche Unabhängigkeit Finnlands

1918

1. Halbjahr 1918: Arbeiter nehmen Unternehmen zunehmend in eigene Regie, Bauern gestalten die Agrarverhältnisse in Eigenregie

3. Januar: Kautsky veröffentlicht den Artikel „Demokratie und Diktatur“. Damit nimmt die bereits seit November laufende Debatte in der deutschen Linken über das Verhältnis zu den Bolschewiki Fahrt auf. Luxemburgs Manuskript bezieht sich auf diese Debatte. Sie ist erstmals dokumentiert in: Schütrumpf, Jörn (Hrsg.): Diktatur statt Sozialismus. Die russische Revolution und die deutsche Linke 1917/18. Karls Dietz Verlag Berlin 2017 (erscheint voraussichtlich im April 2017)

5./6. Januar: Verfassungsgebende Versammlung (Konstituierende Versammlung, Konstituante) nimmt Arbeit auf und wird nach wenigen Stunden von den Bolschewiki geschlossen.

Partei Stimmen Abgeordnete
Sozialisten-Revolutionäre 17.100.000 380
Bolschewiki 9.800.000 168
Menschewiki 1.360.000 18
Kadetten 2.000.000 17
Minderheiten 77
Linke Sozialisten-Revolutionäre (auf der Liste der Sozialisten-Revolutionäre) 39
Volkssozialisten (Liberale) 4

Nach: https://de.wikipedia.org/wiki/Russische_konstituierende_Versammlung

3. März: Frieden von Brest Litowsk, kurz darauf Beginn des Interventionskrieges seitens Großbritanniens, Frankreichs, Griechenlands, der USA, Japans …

Mitte März: im Zusammenhang mit dem Frieden von Brest-Litowsk kommt es zum Bruch zwischen Linken Sozialisten-Revolutionären und dem radikalen Flügel der Bolschewiki auf der einen und den VertreterInnen der leninschen Richtung unter den Bolschewiki auf der anderen Seite. Die linken SR lehnen den Frieden ab und fordern die Weiterführung des Aufstandes.

Erste Bauernaufstände in Tambov, südlich von Moskau, gegen die zwangsweise Eintreibung von Getreide

nach März 1918: Leo Trotzki schreibt seine Broschüre „Von der Oktoberrevolution bis zum Brester Friedensvertrag“, auf die sich Luxemburg im 4. Kapitel ihres Manuskriptes bezieht

28. April: Veröffentlichung der Schrift Lenins „Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht“, auf die sich Luxemburg ebenfalls bezieht

Mitte 1918: Beginn des Bürgerkrieges, ausgelöst durch die „Tschechische Division“ (noch unter dem Zaren gebildete Einheit tschechischer Kriegsgefangener zum Kampf gegen österreich-ungarische Truppen), gemeinsam mit einer Strömung der Sozialisten-Revolutionäre, die die Konstituierende Versammlung wieder einsetzen wollen

20. Juni Attentat auf W. Wolodarski (Goldstein) – Volkskommissar für das Pressewesen in Petrograd

6. Juli: Attentat auf den deutschen Diplomaten Wilhelm von Mirbach-Harrf durch linke Sozialisten-Revolutionäre, die den Frieden von Brest-Litowsk ablehnen

10. Juli: Verabschiedung der ersten Verfassung (Luxemburg nimmt im Zusammenhang mit dem Wahlrecht auf sie Bezug)

30. August: Attentat auf Lenin

5. September: Dekret „Über den Roten Terror“, nachdem zuvor schon regionale Konferenzen Massenterror gegen die Bourgeoisie gefordert hatten.